
Heute war die „Gletscher-Etappe“ unserer Tour. Der ein oder die andere kennt vielleicht die Story von unserer Alpenüberquerung letztes Jahr als wir über den Gletscher drüber mussten und echt an unsere Grenzen – körperlich und moralisch, – kamen. Ungefähr die gleiche Kategorie war die Etappe heute! (Der Bericht wird etwas länger werden…) Laut Nico stand heute eine kleine „Abenteueretappe“ an. Wir wollten am Loch Etive entlang bis der See zum Fluss wird, um dann auf eine aus „James-Bond“ bekannte Gebirgsstraße zu treffen. Abenteuerlich sollte der Weg am See entlang werden, da er nur als schwarzer Strich auf Komoot (Routenplaner) eingezeichnet war und keine Bilder zur Wegbeschaffenheit vorhand waren. Insider wissen: das könnte knifflig werden. Wir stellten uns auf einen holprigen Trampelpfad ein, wo wir eventuell auch mal schieben müssen. Als wir unsere Räder packten, kam grade ein Highland-Schotte in seinem Jeep mit Angelruten vorne auf der Windschutzscheibe vorbei. Er erkundigte sich, wo wir hin unterwegs seien und meinte: „Ihr müsst irgendwann rechts hoch, weil ihr gradeaus nicht weiterkommen werdet.“ Wir wusste aber leider nicht, wo diese besagte Abzweigung genau sein sollte und dachten, dass wir die Route eh so geplant hatten, wie er beschrieben hatte. Aber vielleicht hätten wir da schon stutzig werden sollen…

Als wir zum Anfang des „schwarzen Stiches“ kamen, erwartete uns ein überschwemmter Wiesenpfad. „Das kriegen wir noch hin“, dachten wir und durchquerten die Wasserlöcher, wie Profis.

….und spätestens da, hätte wir uns fragen sollen, ob das wirklich der Weg war, der befahrbar sein sollte. Aber wir wollten am Plan festhalten und schoben die Räder durch den Sand, bis uns Felsen am Weiterkommen hinderten. „Vielleicht geht der Weg ja gar nicht am Strand entlang, sondern hinter den Büschen durch die Wiese?!?“ Kurzer Blick durch die Büsche hinter dem Strand, zeigte einen wage angedeuteten Trampelpfad in der Wiese. „Ja, da müssen wir weiter!“ Problem: zwischen Strand und Wiesen waren nicht nur Büsche, sondern auch große Steine. Egal, Taschen abschnallen und Fahrräder rübertragen. Mit allem drüben angekommen, und den Weg ein Stück weiter abgecheckt, ergab dann leider die nüchterne Erkenntnis: der Pfad ist ein Stückchen weiter komplett von Farn zugewuchert und mit den Rädern kommen wir da auf keinen Fall durch. Also: alles wieder zurücktragen und umkehren. Welch ein moralischer Rückschlag! Zurück über die überschwemmte Wiese hatten wir gerade beschlossen, den ganze Holperweg zurück zur Straße zu fahren und in einer Schleife über die Bundesstraße doch noch an unser heutiges Ziel zu kommen. Das wäre zwar nicht schön, aber die einzige Alternative. Dachten wir! Da kam uns der Schotte von vorhin wieder entgegen. Zufall? Schicksal? Jedenfalls muss er sich gedacht haben: „Was für Idioten! Ich hab ihnen doch gesagt, dass es da nicht weitergeht!“. Er hat es aber nicht persönlich genommen, sondern überließ dieses Mal nichts dem Zufall und erklärte uns den Weg, den wir durch ein anderes Tal nehmen könnten, ganz genau auf der Karte. Seine Beschreibung lautete: „der Weg ist am Anfang okay, dann kommt ihr nochmal zu ein paar Häusern, danach wird der Weg schlechter. Da müsst ihr dann bisschen schieben, aber der Weg wird wieder besser. Hier müsst ihr über eine Brücke, hier auch und da gibt es keine Brücke, da müsst ihr so durch den Fluss.“, „Aber ist alles mit dem Rad machbar?“, „ja, das kann man alles machen. Klar, ihr könnt auch außenrum über die Bundesstraße, aber bis ihr wieder vorne an der Straße seid, könnt ihr auch hierrum fahren.“ (Kurz zur Erinnerung: die Schotterpiste zurück zur Straße, die wir gestern gekommen sind, wären 13km, also max. 1h, danach 60km Straße). Na, gut. Nach kurzem Überlegen, entschieden wir uns auf den Rat des Einheimischen zu vertrauen (immerhin lag er mit der Einschätzung, dass unser ursprünglicher Weg nicht funktionieren würde, richtig.). Zu dem Zeitpunkt war es 13Uhr.

Dann kamen wir zu besagten Häusern und der Weg wurde schlechter:

…aber die Gravelbikes sind leider keine Mountainbikes und wir leider auch keine trainierten Trailfahrer*in und das holpernde Gepäck machte die Sache auch nicht leichter. Zusätzlich war der Weg in regelmäßigen Abständen von großen Pfützen oder kleinen kreuzenden Bächlein geflutet. Wenig hilfreich war auch der Wind und Regen, die mit der Zeit immer stärker wurden.

Aber er wurde nicht besser:

Wir kämpften uns mit den Rädern die steinigen Wege hoch und teilweise auch einfach druchs sumpfige Heidegras, weil kein Weg mehr zu erkennen war. Der Wind tat sein übriges und die Kräfte schwanden langsam. (Deshalb gibt es von diesem Teil auch keine Fotos mehr…). Es sein noch erwähnt, dass wir leider bis auf den Porridge morgens kein wirkliches Essen mehr dabei hatten und nur noch Riegel als Energiequelle zur Verfügung standen – war ja alles anders geplant gewesen… irgendwann waren wir dann auch einfach so weit drin im Schlamassel, dass Umdrehen auch nicht mehr in Frage gekommen wäre. Und wir klammerten uns weiter an die Hoffnung, dass dieser verdammte Weg doch irgendwann wieder befahrbar werden müsste!

Wir konnten es endlich wieder wagen in den Sattel zu steigen.

Wir hatten das Gefühl, dass jetzt alles gut werden und wir bald auf eine befestigte Straße treffen würden.


…wir kamen uns vor, wie in einem Abendteuerfilm – fühlten uns aber irgendwie nicht so heldenhaft. Vorallem weil danach auch lange nichts kam und unsere Moral am Boden war. Der einzige beruhigende Gedanke war, dass wir mit dem Zelt auch die Nacht hier draußen überstehen und mit ein paar Nudeln auch nicht verhungen würden.
Wir fragten uns nur: Was hatte der Typ eigentlich gedacht? Dass wir so krass sind und die Trails mit den Gravelbikes und Gepäck hochfahren? Dass die Trails nicht so unwegsam sind? Dass der Fluss nicht so hoch ist? Dass der Weg nicht so weit ist? Wir werden es nie herausfinden. Was wir aber ziemlich sicher wissen: Der Weg außenrum wäre trotz Bundesstraße vermutlich entspannter gewesen.
Nach 5 Stunden Schieben, Hoppeln, Fluchen, Tränen und dem verzweifelten Versuchen, trotz der Anstrengungen die atemberaubende Landschaft wenigstens ein bisschen zu genießen, kamen wir dann tatsächlich zu der ersehnten Straße. Die Beschreibung des Schotten wollte uns dann noch weiter über einen Teil des „West-Highland-Trails“ (Wanderweg) schicken, aber keine 10 Pferde hätten uns dazu gebracht, nachmal die geteerte Straße zu verlassen. Problem: über die Bundesstraße wären es nochmal 32km bis zu unserem heutigen Ziel gewesen und es war schon 18:30Uhr. „Lass uns einfach die nächste Unterkunft nehmen!“ Wir wollten einfach nur noch ein Dach über dem Kopf und was zu essen. Leider hatten wir die Rechnung ohne die ganzen West-Highland-Trail-Wandersleute gemacht, die plötzlich überall rumliefen und ihr Zelte aufstellten und sämtliche Betten belegten. Als wir an einer kleinen Zeltstelle mit Bänken und einigen bereits aufgestellten Zelten vorbeikamen und das Hotel daneben uns auch mitteilte, dass sie komplett ausgebucht seien, beschlossen wir unsere Zelt dort aufzustellen und uns zumindest ein leckeres Abendessen und die Wärme des Hotel-Restaurants zu gönnen.

Aufgewärmt, trocken und satt fühlten wir uns dann auch gestärkt für die Nacht im Zelt.
In der Planungskomitee-Sitzung beschlossen wir, am nächsten Tag nur die restlichen Kilometer bis zu unserem heutigen Etappenziel zu fahren und uns bisschen Entspannung zu gönnen… und legten auch die nächsten zwei Etappen so fest, dass hoffentlich etwas weniger Abenteuer auf uns zukommt (jetzt wollen wir erstmal bisschen weniger Abenteuer 😂).
Gesamt-Radkilometer: 764km